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Von: Atari060

Wahnsinn wie schnell die Zeit vergeht. Vor 16 Jahren veröffentlichte Atari in den USA seine 64-Bit Videospiele, die am Markt leider nicht den verdienten Absatz fand und so das Ende der Firma Atari als Hardwarehersteller einläutete. Umso verwunderlicher ist es da, dass es bis zum heutigen Tag mehr oder weniger regelmäßig Neuerscheinungen für diese Kultkonsole gibt. Die Homebrew Szene ist beim Jaguar wirklich sehr aktiv und Dank erschwinglicher Entwicklerlösungen (Hardware für 80 $) besteht Hoffnung dass es auch so bleiben wird.

Nun, leider verhält es sich bei den Jaguar Releases oft so, dass es sich lediglich um leicht aufpolierte Klassiker aus der Atari 2600 Ära handelt, die graphisch und soundtechnisch die Möglichkeiten des Jaguars nichteinmal annähernd ausreizen (die Veröffentlichungen von der Firma Songbird einmal abgesehen, da es sich bei deren Spielen in der Regel um nachträglich fertig gestellte Beta Versionen von Jaguarsoftware handelt) und ihre Rechtfertigung eigentlich nur darin haben, dass sie ein gutes Gameplay ihr Eigen nennen. D.h.im Normalfall sind solche Releases die so zwischen 30 und 70 EUR kosten nur für Sammler interessant, da es ähnliche Titel in der Regel als Freeware für den PC gibt.

Als ich das erste Video von Mad Bodies bei Youtube entdeckte, bzw. die zum Spiel gehörige Homepage studierte http://www.madbodies.com hatte ich die Befürchtung dass es sich hierbei um ein ähnliches Release handeln könnte. Auf den ersten Blick sieht Mad Bodies nämlich wirklich ein wenig wie eine getunte Breakout Variante aus, von denen es dutzende als Freeware gibt (z.B. Techno Ball und Impulse für den Atari Falcon).

Um es gleich vorneweg zu nehmen, ich wurde positiv überrascht und vom Gegenteil überzeugt Wink

Als ich voll freudiger Erwartung das Paket aus den USA öffnete fand ich darin ein wirklich tolles gelabeltes Plastikcase (in etwa doppelt so dick wie eine DVD-Hülle) das das Cartridge mit Mad Bodies enthielt. Das Modul selber hat natürlich einen farbigen Aufkleber und die Anleitung ist auf Hochglanzpapier gedruckt.

Die Anleitung ist genau wie die Story zu Mad Bodies sehr knapp gehalten und hätte im Hinblick auf die lange Entwicklungszeit ruhig etwas umfangreicher ausfallen dürfen, einige Sachen sind wirklich nur sehr vage beschrieben.

Grob gesagt (um es wie die Anleitung zu machen) geht es darum, dass der Graphics Man die Weltherrschaft an sich reißen will und der Spieler muss 10 (sehr umfangreiche) Levels bestehen um ihn davon abzuhalten. Natürlich gibt es am Ende jedes Levels einen fiesen Endgegner der besiegt werden muss um fortzufahren.

Nach einem kurzen Intro mit den Labels der Produzenten „3-D Stooges“ und „Force Design“ sowie dem Titelbildschirm geht es auch schon gleich zur Sache und der Spieler findet sich in seinem Raumschiff wieder, welches einem Breakout Paddle zum Verwechseln ähnlich sieht. Tatsächlich ist es auch so, dass das Raumschiff dazu dient Planeten (Bälle) abprallen zu lassen um zu verhindern, dass diese hinter die eigene Verteidigungslinie geraten. Verpasst man einen „Ball“ doch, so wird einem Energie abgezogen, d.h. das Raumschiff wird beschädigt. Aber diese Planetenabprallerei ist eigentlich nur Nebensache, denn Mad Bodies entpuppte sich als reinrassiger Action Shooter im Oldschool Style. Zusätzlich zum „Paddleraumschiff“ steuert der Spieler nämlich noch ein Fadenkreuz in Form einer rechteckigen Box, mit der die zahlreich auftauchenden Gegnersprites, Raumschiffe und Asteroiden und auch die abprallenden Planeten anvisiert und durch Drücken der Feuertaste zerstört werden können. Faktisch muss man auf alles schiessen was sich bewegt Wink Ab und zu tauchen Astronauten auf, die mit dem Fadenkreuz eingesammelt werden können. Ziel ist es nun diese Astronauten wohlbehalten in ihre Raumstationen zu bringen, indem man sie mit dem Fadenkreuz darüber bewegt. Auf diese Weise erhält man Powerups und somit z.B. Extra Schuss Power, oder das Raumschiff wird plötzlich in einer Sänfte getragen und auf Knopfdruck werfen die Träger es hoch in die Luft, so dass es Schüssen und Gegnern ausweichen kann. Den Fortschritt des Levels bekommt man anhand von Rangabzeichen angezeigt und am Ende wartet natürlich ein gemeiner Boss in Form eines großen feindlichen Raumschiffs. Dieser kann aber nicht durch plumpes Draufballern besiegt werden, nein, er schießt mit Kringeln, die der Spieler in guter Breakout Manier zurückschiessen muss und erst wenn einem dass mehrfach geglückt ist (also ein Schuss des Gegner muss mehrfach vom Spieler abprallen gelassen werden) nimmt der Bösewicht Schaden. Gegen Ende seines Lebens gibt der Boss meistens nochmal alles und ballert mit Sachen um sich, die der Spieler nicht reflektieren kann, dafür sind diese dann mit schönen Mode-7 Effekten versehen WinkWährend des Boss Fights wollen einem aber natürlich auch noch die normalen Gegner ans Leder, so dass man auch weiterhin ums Ballern nicht rum kommt… Man hat also immer alle Daumen voll zu tun und kommt nur selten zum Verschnaufen (zum Glück gibt´s eine Pause Funktion), was den Schwierigkeitsgrad verhältnismäßig hoch ansetzt. Auf der anderen Seite hat man reichlich Continues (um die 10) und muss so selbst nach Verlust aller Leben nicht ständig von Vorne beginnen. Unfair ist Mad Bodies nie, höchstens verrückt WinkNomen est eben Omen…

Also das Gameplay von Mad Bodies ist absolut durchdacht und die Steuerung ist erstklassig umgesetzt. Einzig das Fehlen eines Multiplayer Modus fällt ein bißchen negativ auf. Drängt sich nun also dem geneigten Leser die Frage auf, wie es um die Technik des Spiels bestellt ist. Also Soundtechnisch ist Mad Bodies aller erste Sahne, spätestens ab dem zweiten Track fängt die Musik an zu gefallen und sie untermalt das actionlastige Spielgeschehen perfekt. Graphisch ist das so eine Sache, da scheiden sich die Geister. Fakt ist dass in Mad Bodies unzählige Sprites auf den Spieler einprasseln. Wenn man die bewegten Sterne im Hintergrund mitzählt dann sind es einige hundert und das ruckelfrei. Da können sich einige Jaguar Spiele eine gute Scheibe von abschneiden. Auf der anderen Seite sind die wenigsten Sprites animiert und auch die Explosionen hätten etwas opulenter Ausfallen können. Jedoch sind gerade bei den Endgegnern und in den Zwischensequenzen einige nette Effekte zu sehen die das Ganze graphisch doch noch etwas aufpeppen. Unterm Strich ist Mad Bodies kein Spiel das den Jaguar graphisch ausreizt, von der Anzahl der Sprites einmal abgesehen.

Fazit

Mad Bodies ist für mich das Tempest 2000 des 21. Jahrhunderts. Entweder man hasst es, oder man liebt es. Dazwischen ist fast nichts möglich. Ähnlich wie Tempest 2000 seinerzeit (das war immerhin 1994) ist es ein Jaguar exklusiver Titel der technisch auch auf anderen „kleineren“ Systemen umzusetzen ist. Nichtsdestotrotz ist das Gameplay so einzigartig dass dieses Spiel definitv schon jetzt Kultstatus hat. Dafür dass es seit langem die erste Neuentwicklung exklusiv für den Jaguar ist macht es eine hervorragenden Figur und man kann nur hoffen dass es noch mehr Veröffentlichungen dieser Art geben wird.

Graphik:  6
Sound  :  8
Gameplay: 9 

Copyright 2009 by Atari060

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Erstellt am 17.May.2009 von johannes

3 Antworten

  1. Heinz Schmidt sagt:

    Schönes und ausführliches Review. Vielen Dank! Da bekommt man wieder richtig Lust auf den Jaguar. So soll es sein.

    Dank & Gruß Heinz

  2. Dirk Paulsberg sagt:

    Viele Worte, und ausführlich dargestellt.
    Und ich soll Dir gleich schreiben das mein persönlicher Finanzminister Dich im Auge hat, nicht das ich jetzt öfter mal JAG-Titel bestelle zu solch „hohen“ Preisen. 🙂

    Danke schön!

  3. pea sagt:

    You should not mention the MadBodies in same breath as tempest, for shame.

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